Wenn der Hund knurrt

von | 5. Mai 2020 | Ansichten, Gedanken | 0 Kommentare

Wenn der Hund knurrt

Wenn ich zum Zahnarzt gehe, freue ich mich. Also nicht so, dass ich am Abend vorher schon aufgeregt bin und nicht schlafen kann, aber ich habe keinerlei Angst vor dem Besuch.

Die Helferinnen sind freundlich, an den Wänden hängen selbstgemalte Bilder der Kinder und wenn die Untersuchung abgeschlossen ist, gibt es als Belohnung eine Zahnbürste mit, die ich in unserem Gäste-Bad in den Becher stelle, wenn spontane Übernachtungsgäste keine dabeihaben. Bevor eine Helferin oder mein Zahnarzt selbst mit irgendwas in meinem Mund beginnen, sagen sie mir, was sie als nächstes machen und bitten mich, falls irgendwas weh tut, Bescheid zu geben.

In der Regel tut es nicht weh. Ist vielleicht nicht immer angenehm, aber wirklich weh hat es eigentlich nur getan, als meine Weisheitszähne raus mussten. Das war wirklich schlimm und ich habe nicht nur ein paar Tränchen verdrückt, sondern hätte als erste Reaktion auf die Untersuchung und den plötzlichen „Stich mit einer heißen Nadel direkt ins Hirn“ fast noch jemanden gehauen. Und auch wenn das schon ein paar Tage her ist, kann ich mich heute noch ziemlich gut daran erinnern …

Du hast es gut, Du darfst den ganzen Tag Hunde streicheln

Ja, das darf ich. Und ja, es ist wirklich ein toller Job. Und ein wenig mehr als nur streicheln gehört auch noch dazu.

Ich habe meine Räume so eingerichtet, dass wir alle uns möglichst wohl fühlen und nichts an „Klinikatmosphäre“ erinnert. Und wenn ich sehe, wie freudig meine Patienten zu mir rein gestürmt kommen und wie ihre Menschen sich darüber immer freuen, dann ist das ein super Einstieg in die folgende Therapiesitzung. Ich knuddle die Hunde, wenn sie mögen und lasse sie erstmal ankommen, schnuppern und inspizieren, während ich mit den Besitzern spreche, wie es ihnen seit dem letzten Besuch ergangen ist. Bei jedem Hund ist der Therapieplan ein bisschen anders und in der Regel gehört dazu auch, dass ich die Tiere irgendwo anfassen möchte oder sollte, um mir ein Bild zu machen, wie sich die „Problemzonen“ anfühlen.

Heb die Pfote, wenns unangenehm wird

Kann ich sagen, versteht aber halt keiner bzw. kann keiner drauf verbal antworten. Also muss ich sehr aufmerksam sein und mich auf meine Fingerspitzen konzentrieren: wie fühlt sich das an? Warm oder kalt? Verhärtet, geschwollen? Ganz intuitiv kann man dabei schon mal die Augen schließen, um sich besser auf das Fühlen zu konzentrieren.

Nicht weniger wichtig ist aber das, was der fellige Kunde unter meinen Fingern mir dabei zeigt: Was machen seine Ohren, steigt die Körperspannung, wie entspannt oder angespannt ist die Atmung, kann ich an der Nase schon erkennen, dass sich die Lefzen unmütig verziehen?

Das ist wichtig, denn ich möchte kein Tier so in Bedrängnis bringen, dass es sich genötigt fühlt, mir seine Zähne in die Hände zu tackern. Wer zeigt, dass er Schmerzen hat oder ankündigt, dass eine Berührung unangenehm wird, wird ausnahmslos respektiert. Hände weg, durchatmen, Freiraum schaffen, um sich wieder zu beruhigen. Ich klopfe drei Mal auf Holz, bisher hat das immer gut geklappt.

Das darf er aber nicht machen

Den Besitzern ist das in der Regel unangenehm und ich verstehe das auch. Meistens sind sie selbst total überrascht, weil sie das von ihrem Tier so gar nicht kennen.

Ich kann Euch beruhigen: Euer Hund hebt nur die Hand und sagt, dass er sich gerade nicht mehr wohl und sicher fühlt und Angst vor Schmerzen hat. Das ist seine Art, das mitzuteilen. Die meisten Tiere, die zu mir kommen, haben viele Tierarztbesuche hinter sich. Da riecht man schon am Parkplatz die Angst, sitzt mit anderen dicht gedrängt im Wartezimmer und dann muss man sich auch noch überall anfassen lassen. Wenns richtig gut läuft, gibt’s noch eine Spritze mit dazu … super Sache! Und dann kommt die Physiotante und will da plötzlich auch noch anfassen.

Kannste total vergessen. Auf gar keinen Fall!

Irgendwann hat auch der geduldigste Hund die Schnauze voll

Und das verstehe ich total. Manchmal liegt’s auch am Wetter. Oder Frauchen hatte wenig Zeit fürs Gassi und Bespaßen. Oder der Nachbarhund gegenüber hat Euch erstmal laut verbellt und einen riesen Schrecken eingejagt. Es gibt tausend Gründe, die manchmal zusammenkommen können, warum auch ein Tier mal „die Pfote hebt“ und STOP signalisiert.

Das ist total in Ordnung. Wirklich!

Es ist nicht nur mein Job, mich darum zu kümmern, dass es ihm wieder besser geht. Es ist auch mein Job, seine Ängste vor Schmerzen zu respektieren und ihn nicht zu irgendwas zu zwingen. Es ist immens wichtig, dass ich und Dein Tier nicht nur ein gutes Verhältnis zueinander aufbauen, sondern dass es sich auch darauf verlassen kann, dass ich seine Signale sehe, erkenne und ihm zu verstehen gebe, dass ich verstehe und respektiere, was es mir sagen will.

Manchmal muss man dafür einen Schritt zurück gehen, durchatmen und andere Wege finden. Oder kleinere Schritte machen.

Also sei nicht besorgt, verunsichert oder böse auf Deinen Hund, wenn Du das von ihm so nicht kennst. Es ist völlig normal, dass er kommuniziert und es ist meine Aufgabe, ihm zuzuhören.

Bevor wir loslegen

Wenn wir unseren ersten Termin vereinbaren, frage ich Dich in der Regel, ob ich bestimmte Dinge im Umgang mit Deinem Hund beachten sollte. Manche Hunde sind aufgrund verschiedener Erfahrungen im Umgang mit Fremden sehr vorsichtig geworden und brauchen Zeit und Freiraum, sich an mich und den Körperkontakt zu gewöhnen. Hab keine Scheu, die „Special Features“ Deines Hundes anzusprechen, so kann ich am Besten auf ihn und seine Bedürfnisse eingehen. 

Foto von Sarah G. auf Unsplash

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