Übungen für zuhause

von | 8. April 2020 | Gedanken, Gesundheit | 0 Kommentare

Seitdem die Praxis in „Frühjahrspause“ versetzt ist (wegen Ihr wisst schon wem), bekomme ich viele Nachrichten, hier doch bitte ein paar Übungen mit aufzunehmen und zu zeigen, was man Sinnvolles mit seinem Hund jetzt machen kann.

Grundsätzlich ist dagegen natürlich überhaupt nichts einzuwenden, den Hund nicht nur zu bewegen und auch Kopfarbeit zu machen. Praktisch ergeben sich aus „allgemeinen Tipps für alle“ aber eine ganze Reihe Fallstricke. Jetzt kann man natürlich sagen, ich soll mich nicht so anstellen. Schließlich kann jedes Kleinkind verschiedenste Tipps und Videos googeln und dann nachmachen. Aber genau das ist das Problem.

Macht doch eh jeder

Vor allem in Zeiten wie diesen (wegen Ihr wisst schon wem) merken wir, dass nur weil irgendwer irgendwas ins Netz stellt, das nicht unbedingt richtig/ sinnvoll und mit irgendeinem Mehrwert für die Allgemeinheit verbunden ist. Nein, im schlechtesten Fall schadet es sogar und das ist dann nicht nur dumm, sondern fahrlässig.

Es gibt solche Anleitungen und Videos auf allen Videoplattformen, in Foren, auf Facebook und es gibt auch einige Bücher dazu. Ja, das ist nicht per se schlecht. Ja, ich freue mich, wenn Leute ihren Hund fit halten wollen. Ich halte das sogar für extrem sinnvoll, das in jedem Alter zu machen und möglichst nicht nur, weil wir grade etwas mehr Zeit haben (wegen Ihr wisst schon wem). Aber wie meine Oma schon immer sagte: „Gut gemeint ist oft nicht gut gemacht“. Und da hat sie uneingeschränkt Recht.

Kleinigkeiten haben große Auswirkungen

Das fängt schon mit dem „Set up“ an. Es gibt unzählige Videos von „Trainern“, „Therapeuten“ oder anderen Leuten, die sich so freuen, Ihre Übungen zu zeigen, dass sie offenbar die grundlegendsten Dinge einfach übersehen.

Die Wohnung sieht aus wie vom gesamten Team von „Schöner Wohnen“ durchgestylt, die Skinny-Jeans sitzt, die Haare ebenso, der Hund ist frisch gebadet und gebürstet und der Leckerchenbeutel zur ebenfalls stylischen Belohnung wurde in der Südsee von einer verträumten Perlenklöpplerin handgefertigt.

Und dann wird der Hund über die Cavalettis geschickt. Auf dem schicken Holzimitatboden. Oder den schönen Fliesen.

MANN! Echt jetzt? Wenn ich schon sehe, dass kein rutschfester Boden zum Trainieren verwendet wird, schwillt mir der Hals und ich schalte weg. Was soll das? Man möchte die Damen und Herren wirklich mal auf die nächste Eislaufbahn schicken und mit ihren schicken Glattledersohlen über ein paar Hürden hüpfen lassen. Und übrigens: Nein. Nur weil da ein Teppichläufer auf dem Laminat liegt, wird es nicht viel besser. Nimm einfach mal ein bischen Anlauf und wetz selbst da drüber. Aladin ist ne Null gegen Dich mit Deinem fliegenden Flokati!

Natürlich gibt es da auch Ausnahmen und der Boden ist nicht rutschig. Vielleicht sogar draußen im Freien, yay! Da stehen die Cavalettis dann in Reih und Glied wie mit dem Lineal abgemessen hintereinander. Hört Ihr mein Seufzen?

Alle, die im Schulsport mal Hürdenlauf oder Hochsprung hatten, schließen mal bitte kurz die Augen und erinnern sich zurück. War verdammt schwer, bis man mal ansatzweise raus hatte, wie schnell man Anlaufen muss, wann man wie wo abspringt und wie man dann ohne auf die Gummel zu fallen heil drüber kommt, oder?

Es macht auch bei Hunden einen riesengroßen Unterschied, wie hoch die Stangen sind, wie viel Anlauf der Hund vor dem ersten Hindernis hat und vor allem auch, wie weit die Hindernisse jeweils auseinanderliegen. Ein Terrier hat eine ganz andere Schrittlänge als ein Dalmatiner. Und weil das so lustig ist und der eigene Hund auch jetzt mal anfangen soll mit Sport, machen wir das schön mit. Auch der Dackel mit dem Bandscheibenvorfall und der Retriever mit der kaputten Hüfte.

Aus dem Stand auf die Küchenarbeitsplatte ohne Training

Heute früh beim Gassi hat ein junges Mädchen ihren kleinen Wuschel zum Balancieren auf ein paar Baumstämme geschickt. Der kleine Kerl musste ein paar Mal ansetzen, bis er endlich hoch kam mit seinen kurzen Beinchen. Dann stand er da, sollte loslaufen und schwupp war er auch schon wieder unten. Der Baum hatte keine Rinde mehr und Schnuffi ist ganz gediegen abgeschmiert. Außer einem Schreck ist zum Glück weiter nichts passiert, kann aber auch anders ausgehen.

Ich habe letzte Woche in meinem Beitrag „Besser belohnen“ aufgezeigt, welch riesengroßen Unterschied es auf den Hals und Rücken Eures Hundes macht, wie Ihr ihm das Leckerchen gebt. Habt Ihr mal die letzten Tage drauf geachtet, wie Ihr belohnt?

Versteht mich nicht falsch

Ja, man muss ja auch mal Spaßübungen machen, die nicht 100% perfekt sind (deswegen übt man ja). Kleine körperliche Herausforderungen. Abwechslung in den Hundealltag reinbringen.

Da bin ich voll bei Euch.

Aber bitte macht Euch Gedanken, was und wie viel Ihr Eurem Hund da abverlangt und ob das gesundheitlich vielleicht bedenklich sein könnte. Sprecht Eure Trainer an, Eure Therapeuten, fragt Eure Tierärzte. Und wenn Ihr Zweifel habt, macht es nicht.

Fangt ganz einfach an, in ganz kleinen Schritten mit wenigen (!) Wiederholungen. Setzt sich Euer Hund nach ein, zwei Wiederholungen hin, wird er wackeliger, beschwichtigt oder möchte er weg: hört auf!

Macht Übungen langsam und achtet auf die Körperhaltung Eurer Hunde. Stellt das Handy daneben und filmt das. Ein anderer Blickwinkel auf den Hund hilft ganz viel bei der Optimierung der Übung.

Alle (therapeutischen) Übungen haben unterschiedliche Effekte auf den Körper, nicht nur auf den Bereich, den Ihr trainieren wollt. Jeder Hund hat seine Stärken und Schokoladenseiten und es ist mir wichtig, dass kein Hund überfordert wird oder Übungen macht, die er in seiner körperlichen Verfassung entweder gar nicht oder noch nicht machen sollte.

Deswegen gibt es hier keine allgemeinen Tipps zu Übungen für „Jederhund“. Geht im Zweifel einfach normal spazieren, macht ein bischen Kopfarbeit zuhause oder auf einer Wiese. Setzt Euch einfach mal auf eine Bank zwischendurch und genießt die Zeit, die Ihr mit Euren Hunden habt. Macht Euch ganz bewusst positive Gedanken. Insbesondere jetzt wegen Ihr wisst schon wem!

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