Spürnasen-Spaß: Geruchsmemory

von | 3. April 2020 | Beschäftigung, Indoor, Outdoor | 0 Kommentare

Heute endet die zweite Blogwoche, in der wir Euch jeden Tag mit Infos und Tipps rund um den Hund versorgt haben. Heute freue ich mich riesig, dass Swenja Toma uns mit einem tollen Beitrag unterstützt: Geruchsmemory.

Alles, was Ihr dazu braucht, habt Ihr selbstverständlich schon zuhause und könnt sofort loslegen.

Schon wieder was zum Schnüffeln? Ja klar! Wir nutzen das, was unsere Hunde schon „serienmäßig“ eingebaut haben, nämlich einen ziemlich guten Geruchssinn und machen daraus schöne Aufgaben. Nicht nur, weil es dazu keine besonderen körperlichen Voraussetzungen braucht, sondern weil diese Art von Arbeit die Hunde extrem gut auslastet. Oder wie es das Junior-Herrchen eines Kundenhundes mal auf den Punkt gebracht hat: Das ist krasser als 3 Stunden Mathearbeit!

Die Nase unserer Hunde ist ein faszinierendes Sinnesorgan, mit dem sie auch im Wesentlichen ihre Umwelt wahrnehmen. Hunde können aus Gerüchen ganze Geschichten, Stimmungen  und sogar Krankheiten herausriechen. Mit rund 125 -220 Millionen Riechzellen sind Hunde dem Menschen mit seinen etwa 5 Millionen Riechzellen weit überlegen. Deshalb verwundert es auch nicht, dass ein gut trainierter Hund zwei Sandkörner auf einem Strand mit der Größe 500 Meter Länge, 50 Meter Breite, 50 cm Tiefe finden kann.

Schnüffeln ist unserem Hund also in die Wiege gelegt und warum sollten wir das nicht nutzen um gemeinsam mit unserem Hund Spaß zu haben und ihn gerade auch jetzt Zuhause auszulasten?

Geruchsmemory

Heute gibt es eine kleine Anleitung zum Aufbau der Geruchsunterscheidung – Geruchsmemory. Hier soll der Hund einen ihm präsentierten Geruch aus mehreren Gerüchen heraussuchen.

Welche Gerüche kannst Du verwenden?

  • verschiedene Teesorten
  • verschiedene Öle wie z. B. Sesamöl, Olivenöl, Sonnenblumenöl, Erdnussöl
  • Gewürze wie Backpulver, Zimt, Hefe. ACHTUNG: Bitte darauf achten dass der Geruch nicht zu „stark“ für die Hundenase ist (bitte keine reinen ätherischen Öle oder Duftöle verwenden)

Behältnisse, die Du für die Geruchsproben verwenden kannst:

  • Einmachgläser
  • Eckige Kartons
  • Becher

(Hier müssen in den Deckel jeweils kleine Löcher gemacht werden)

  • Stoffsäckchen
  • Schnüffeldosen

Bei der Auswahl der Behältnisse und Gerüche findest Du alles, was Du brauchst in deiner Küche oder im Vorratsschrank. Vorne links ein Einmachglas mit Loch im Deckel, rechts daneben eine „Schnüffeldose“.

Hund und Halter sollten bereits ein Markerwort haben bzw. Clickertraining kennen.

Wozu braucht man ein Markerwort/einen Clicker?

Damit unsere Hunde lernen, welches Verhalten das Richtige und von uns Gewünschte ist, müssen wir ihnen innerhalb von 0,5-1 sek. nachdem dieses Verhalten gezeigt wurde, eine Belohnung geben. Nur dann versteht unser Hund überhaupt: “Achso,  genau das scheint richtig gewesen zu sein.“  Da wir mit dem Belohnen häufig zu langsam sind, nehmen wir das Markerwort/den Clicker zu Hilfe. Der Hund bekommt so im richtigen Moment die Rückmeldung : „Richtig gemacht, deine Belohnung folgt “.

Und zwar immer und ohne Ausnahme. Wenn Du einmal im falschen Moment gemarkert oder geklickt hast, dann gibt es dennoch ein Leckerchen für den Hund. Passiert Dir das häufiger, dass Du den exakten Moment nicht richtig einfangen kannst, übe das ohne Deinen Hund mit einer 2. Person oder wende Dich an Deine Hundeschule.

Was ist das Markerwort/der Clicker?

Das Markerwort sollte ein kurzes, einsilbiges Wort sein, das man im täglichen Sprachgebrauch möglichst nicht verwendet. Hier ein paar Beispiele : Check, Click, Yes, Tipp, Topp. Der  Clicker ist eine Art „Knackfrosch“, der ein eindeutiges und neutrales Clickgeräusch macht und in jedem gut sortierten Laden für Hundezubehör erhältlich.

Was Du verwendest, bleibt Dir überlassen. Wichtig ist, dass Du verstanden hast, dass es ein Hilfsmittel ist, das erwünschte Verhalten Deines Hundes punktgenau zu belohnen.

Wie baut man den das Markerwort/den Clicker auf?

Bereite eine ausreichende Menge einer für Deinen Hund ganz besondere Leckerei vor. Dies kann z. B, Fleischwurst, Leberkäse, Käse, getrocknete Rinderlunge etc. sein. Dein Hund befindet sich in deiner unmittelbaren Umgebung (denn er kann es kaum erwarten etwas von diesen Schlemmereien zu bekommen). Nun sagst du dein Markerwort/betätigst den Clicker und gibst deinem Hund sofort eins der Leckerchen. Das wiederholst du mindestens 20 Mal. Dann wartest du, bis dein Hund kurz abgelenkt ist, sagst dein Markerwort/betätigst den Clicker. Reagiert dein Hund prompt? Hurra, der Marker wurde verknüpft und kann ab sofort im Training eingesetzt werden. Reagiert dein Hund nicht? Wiederhole den Schritt Markerwort sagen/Clicker betätigen und sofort füttern einfach noch ein paar Mal.

Geruchsmemory 1. Schritt

Der Geruch (z. B. Pfefferminztee in einer Schnüffeldose) wird dem Hund in verschiedenen Positionen präsentiert, d. h. mal links vom Halter, mal rechts vom Halter, mal weiter oben mal weiter unten…

Sobald der Hund mit der Nase dran geht bzw. jegliches „Nase nimmt Kontakt auf“ wird gemarkert/geclickt und belohnt.

Geruchsmemory Aufbau

Klara nimmt Kontakt zur Schnüffeldose auf, Swenja benutzt das Markerwort und belohnt Klara sofort dafür

2. Schritt

Die Schnüffeldose wird ca. 1 Meter entfernt vom Hund ausgelegt (bringe Deinen Hund beim Auslegen ggf. vorher ins Sitz oder eine andere Warteposition). Nun schicke Deinen Hund mit einer eindeutigen Handbewegung zur Schnüffeldose. Geht er mit der Nase dran, wird wieder gemarkert/geclickt und belohnt.

Manche Hunde zeigen in diesem Schritt ggf. bereits Anzeigeverhalten wie z. B. Pfote auf die Dose, länger mit der Nase an der Dose bleiben, mit der Pfote kratzen etc. – das ist toll und nennt sich „natürliches Anzeigeverhalten“.

Wenn dieses Anzeigeverhalten für Dich so in Ordnung ist , kann jetzt dieses Verhalten gemarkert/geclickt werden: Hund geht mit der Nase an die Dose, zeigt sein Anzeigeverhalten (kratzen, Pfote drauf, etc.), dann wird nach dem Verhalten gemarkert/geclickt und belohnt. Wenn er ein anderes Anzeigeverhalten zeigt

Möchtest Du Dich an dieser Stelle wegen des Anzeigeverhaltens noch nicht festlegen, ist das nicht schlimm.

Es ist allerdings wichtig, dass Du sobald Du Dich für ein gewünschtes Anzeigeverhalten entschieden hast (z.B. eindeutig Sitz oder Platz vor dem Behälter mit dem Geruch), dieses auch konsequent markerst/clickst.

Dein Hund soll lernen, dass das immer gleiche Anzeigeverhalten auch zur Belohnung führt.

Klara geht zur Dose und zeigt an, indem sie mit der Nase an der Dose bleibt

3. Schritt

Wenn Dein Hund kein natürliches Anzeigeverhalten zeigt, oder Du ein bestimmtes Verhalten von ihm möchtest: Baue ein Anzeigeverhalten wie z. B. Sitz oder Platz auf: Der Hund geht zuverlässig mit der Nase zum ausgelegten Geruch und sobald die Nase an der Schnüffeldose war und den Geruch aufgenommen hat, sagst Du das Signal Sitz oder Platz. Hat sich Dein Hund gesetzt/gelegt, wird gemarkert/geklickt und belohnt.

Diesen Schritt wiederholst Du so lange, bis Dein Hund mit der Nase an die Schüffeldose geht und sich anschließend automatisch hinsetzt/hinlegt ohne dass Du Sitz oder Platz nochmal sagen musst.

4. Schritt

Jetzt braucht Ihr eine 2. Schnüffeldose mit demselben Geruch (in unserem Beispiel Pfefferminztee).

1 Dose wird wieder ca. 1 Meter entfernt ausgelegt. Die 2. Dose wird dem Hund präsentiert, er geht mit der Nase an die präsentierte Dose, anschließend schickst Du ihn mit Deiner eindeutigen Handbewegung  zur ausgelegten Dose.

An dieser Stelle kannst Du nun auch ein Wortsignal einführen: Bevor Du Deinen Hund mit der eindeutigen Handbewegung losschickst, sagst Du ein Wort wie z. B. „Memory , Search, Such“ und machst dann Deine Handbewegung in Richtung der 2. Dose.

Der Hund geht zur ausgelegten Dose, nimmt mit der Nase Kontaktzu ihr auf. Wenn Schritt 3 nun gut geübt wurde, sollte der Hund jetzt sofort das gewünschte Anzeigeverhalten zeigen, z. B. neben die ausgelegte Dose setzten/legen, Pfote drauf . Dies wird gemarkert/geklickt und belohnt.

Zeigt Dein Hund hier nicht das bisher belohnte/ gemarkerte Anzeigeverhalten an der Dose, sagst Du ihm bitte das entsprechende Signal nochmal. Anschließend wird gemarkert/geklickt und belohnt. Zu Schritt 5 wird erst übergangen, wenn Dein Hund ohne diese Ansage/ Hilfe automatisch das gewünschte und bisher gemarkerte Anzeigeverhalten zeigt.

5. Schritt

Nun kannst Du beginnen, Schnüffeldosen mit unterschiedlichen Gerüchen auszulegen. Um es dem Hund sehr einfach zu machen empfiehlt es sich, beim zweiten Duft einen komplett Anderen zu wählen. In unserem Beispiel Pfefferminztee und neu Kaffee(bohnen).  Du hast nun zwei Dosen mit Pfefferminztee und eine mit Kaffee.

Du legst zwei Schnüffeldosen (1x Pfefferminztee und 1x Kaffee) aus. Präsentierst Deinem Hund die 3. Schnüffeldose mit dem gesuchten Geruch (Pfefferminztee), Dein Hund nimmt den Geruch auf und Du schickst ihn anschließend mit Deinem Wortsignal und der eindeutigen Handbewegung zu den beiden anderen  ausgelegten Schnüffeldosen.

Sobald der Hund den richtigen Geruch anzeigt (hier der 1. trainierte Geruch, der Pfefferminztee), wird gemarkert/geklickt und belohnt.

Es liegen mehrere Dosen aus, die gleich aussehen, damit der Hund lernt, seine Nase und nicht die Augen zur Unterscheidung zu benutzen

Mögliche Stolpersteine bei Schritt 5

Fängt Dein Hund an „auszuprobieren“ und Du merkst, dass er gar nicht richtig schnüffelt, um den Geruch zu finden, sondern nach Zufallsprinzip auswählt,  gibt es drei Möglichkeiten:

  1. Du nimmst den Hund kurz aus der Übung, präsentierst den 1. Geruch (Pfefferminztee) nochmal und schickst ihn anschließend wieder zu den beiden ausgelegten Dosen. Achtung, hierbei kann Frust entstehen! Deshalb ggf. markern/klicken auch wenn der Hund den richtigen Geruch nur zufällig gefunden hat.
  2. Belohne auf der Dose mit dem richtigen Geruch, also lege das Belohnungsleckerchen auf die Dose
  3. Gehe nochmal einen Trainingschritt zurück, indem Du z. B. nur einen Geruch auslegst oder eine Dose mit Geruch und eine Dose komplett ohne Geruch auslegst

Wenn Du beginnst, mit mehreren Dosen zu arbeiten, solltest Du auch immer wissen, welche der Dosen den Zielgeruch enthält, damit Du auch wirklich richtig belohnen kannst. Wenn Du nicht mit durchsichtigen Dosen arbeitest, kannst Du Dir mit einem wasserfesten Buntstift eine farbige Markierung machen, die groß genug ist, dass Du sie erkennen kannst. 

6. Schritt

Wenn Dein Hund zuverlässig zwei Gerüche unterscheiden kann, kannst Du zusätzlich zu diesen beiden immer mehr Gerüche bzw. auch leere Dosen auslegen. Tipp: Nimm bei den ausgelegten Dosen erstmal immer nur einen weiteren Geruch dazu.

Klara zeigt den gesuchten Geruch an. Hier liegt er am Beginn der Reihe. Denke daran, die Position des gesuchten Geruchs zu variieren, damit Dein und lernt, dass der gesuchte Geruch nicht immer an der gleichen Stelle liegt.

7. Schritt

Es kann ein komplett neuer Geruch aufgebaut werden, der im Suchfeld gefunden werden soll. Du beginnst den Aufbau wieder bei Punkt 1 und dann arbeitet Ihr Euch bis Punkt 6 mit diesem neuen Geruch gemeinsam durch.

Mögliche Stolpersteine

Je mehr Dosen ausliegen, desto schwieriger wird die Suche nach dem gesuchten Duft. Wenn Du Deinen Hund immer nur nach dem gleichen Duft (Pfefferminztee) suchen lässt, und dabei nur die Anzahl der anderen ausgelegten Dosen (mit oder ohne Geruch) erhöhst, lernt Dein Hund, dass er nur den einen Duft (Pfefferminztee) aus den vielen anderen heraussuchen soll. Das Ziel beim Memory ist allerdings, dass er den Geruch heraussucht, den Du ihm vor dem Kommando präsentiert hast.

Du solltest also auf jeden Fall sorfältig in die Schritte 1 – 5 investieren und dann langsam die Schwierigkeit erhöhen: Pro Trainingsschritt entweder eine Dose mehr auslegen, oder einen ganz neuen Geruch suchen lassen.

Und jetzt viel Spaß beim Memory!

Du hast noch Fragen zum Memory, zum Markern oder zu einem ganz anderen Thema? Dann wende Dich gerne direkt an Swenja: Meine Hundeschule Karlsruhe

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Swenja Toma

Swenja Toma

Meine Hundeschule Karlsruhe

Swenja ist seit 2012 IHK/BHV- zertifizierte Hundetrainerin und lebt mit ihrem Mann und ihrer Labradorhündin Klara in Karlsruhe. Sie hat viele Fort- und Weiterbildungen über den BHV absolviert, lange im spanischen Tierschutz gearbeitet und untersützt die Gemeinschaft „Trainieren statt dominieren“.

In Ihrer Hundeschule in Karlsruhe bietet sie individuelle Trainings rund um den Alltag mit Hund an: Vom Grundgehorsams-ABC über Leinenführigkeit bis hin zu Einzeltrainings mit „Leinenpöböern“, „Trennungsgestressten“ und „Angsthäschen“

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