Die Reiseapotheke für den Hund

von | 6. August 2020 | Allgemein, Gesundheit, Notfall, Sommer

Urlaub mit dem Hund - Reiseapotheke

 

Egal, ob Ihr zum Team der detaillierten Urlaubspacklistenschreiber gehört oder erst auf den letzten Drücker das vermeintlich Nötigste in den Koffer werft: Denkt auch an ein paar Kleinigkeiten für Eure Vierbeiner, um im Ernstfall für Erste-Hilfe-Maßnahmen gewappnet zu sein.

1. Was zuhause benötigt wird, braucht Ihr auch im Urlaub

Wenn Euer Hund im Alltag bereits Spezialfutter, besondere Hilfsmittel oder Medikamente benötigt, sollten die natürlich auch im Urlaub nicht fehlen. Prüft vor Reiseantritt Eure Bestände, ob sie für die Dauer des Urlaubs und ein, zwei Tage mehr ausreichen. Wenn man Samstag abends zurück kommt, und für Sonntag schon keine Medikamente mehr im Schrank hat, wird man im Zweifelsfall eine Praxis mit Notdienst aufsuchen müssen.

Erste-Hilfe-Set

Ein kleines Set aus der Apotheke als Minimalaustattung ist im Zweifelsfall für Mensch und Tier wichtig. Sterile Kompressen, Mullbinden, elastische Binden, Haftstützbinden und eine Rettungsdecke sollten immer dabei sein und sind bei der ersten Hilfe nützlich.

Reisekrankheiten / Mittelmeerkrankheiten / Insektenschutz

Mittlerweile besteht die Gefahr der Übertragung der sog. „Mittelmeerkrankheiten“ nicht mehr ausschließlich im Mittelmeerraum, Süd- und Südosteuropa. Damit der Urlaubsspaß nicht mit einer bösen Überraschung endet, sprecht bitte unbedingt mit der Tierärztin/ dem Tierarzt Eures Vertrauens, mit welchen Maßnahmen Ihr Eure Tiere schützen könnt.

2. Wo befinden sich der nächste Tierarzt bzw. Notdienst

Wenn ein Notfall eintritt, hat man in der Regel alle Hände voll zu tun. Wer dann noch nach der nächstgelegenen Tierarztpraxis oder Klinik suchen muss, braucht starke Nerven und vor allem guten Empfang. Wer bereits vor Reiseantritt Telefonnummer und Adresse im Handy gespeichert hat, spart Zeit und Nerven.

3. Durchatmen und Ruhe bewahren

Absichern

Für einen tierischen Notfall gilt ebenfalls wie bei uns Menschen: möglichst ruhig bleiben und umsichtig handeln. Wer sich selbst noch in Gefahr begibt und ebenfalls verletzt, kann nicht mehr gut selbst Hilfe leisten. Unfallstellen absichern, sich selbst bei Rettungsversuchen nicht in Gefahr bringen, eventuell Hilfe holen.

Dazu gehört auch, sich selbst vor Bissen zu schützen. Bei starken Schmerzen oder im Schock können auch die freundlichsten Tiere beim Versuch, sie zu untersuchen oder zu transportieren unerwartet zubeißen. Wer keinen Maulkorb dabei hat, kann mit Hilfsmitteln (z. B.  Socken oder BH) einen Verband um die Schnauze anlegen. Das solltest Du aber nur tun, wenn Dein Tier keine Schwierigkeiten hat, zu atmen oder die Atemwege nicht frei sind!

Tierarzt verständigen

Kündige den Notfall beim Tierarzt an, damit dort eventuell notwendige Vorbereitungen getroffen werden können oder Dir am Telefon schon Hinweise gegeben werden können, was Du tun kannst und wie Du Dein Tier transportieren sollst.

Manche Tiere ziehen sich bei Verletzungen zurück und verteidigen sich

4. Bei Verletzungen

Nachdem Du Dich und Dein Tier abgesichert hast, nochmal tief durchatmen. Danach solltest Du überprüfen, welche Maßnahmen Du vor dem Transport ergreifen kannst und solltest:

Bewusstsein überprüfen

Ist Dein Tier ansprechbar? Reagiert es auf seinen Namen?

Auch kleinste Reaktionen an den Augen, Ohren oder Schwanzwedeln können Hinweise sein.

Kontrolliere die Atmung, die Herzfrequenz und die Schleimhäute, ob diese verfärbt sind. Für Dein Tier ist eine Notfallsituation auch aufregend, wenn keine akute Lebensgefahr besteht: Atem- und Herzfrequenz können genauso wie bei Dir erhöht sein.

Bei Atemstörungen

Zunächst überprüfen, ob die Atemwege frei sind (Achtung: Selbstschutz!)

Lege Den Hund auf seine rechte Seite, strecke den Kopf etwas nach hinten, öffne vorsichtig sein Maul und ziehe die Zunge langsam und vorsichtig seitlich heraus. Kontrolliere dann die Maulhöhle und den Rachen auf Fremdkörper, Erbrochenes und andere Dinge, die dort nicht hingehören. Manchmal stecken auch Holzstücke zwischen den Zähnen und verursachen starkes Speicheln.

Beatmung bei Atemstillstand

Zunächst überprüfen, ob die Atemwege frei sind (Achtung: Selbstschutz!).  Sind die Atemwege frei und Dein Hund atmet dennoch nicht, beginne mit der Beatmung:

Zunächst schiebst Du die Zunge zurück in die Maulhöhle, hältst dann die Schnauze zu, legst ein Tuch / Shirt über seine Nase und bläst 5 bis 6 mal so kräftig in die Nase, dass sich der Brustkorb hebt. Mach eine Pause, atme selbst tief und möglichst ruhig durch und warte, ob die Atmung wieder einsetzt. Entweder siehst Du, dass der Brustkorb sich wieder hebt und senkt, oder Du spürst am Maul oder der Nase einen Luftzug.

Wenn sich nichts tut, beatmest Du mit etwa 20 Atemstößen pro Minute weiter, das entspricht einem Atemzug alle 3 Sekunden. Wenn Du nicht alleine bist, könnt Ihr Euch dabei abwechseln oder einer zählt den Rhythmus an.

Bei Herzstillstand

Wenn Dein Tier nicht atmet und auch kein Herzschlag zu spüren ist, gehst Du zunächst vor wie beim Atemstillstand: Auf die rechte Seite legen, Maul auf Fremdkörper kontrollieren.

Dann den Brustkorb des Tieres hinter seinem linken Ellenbogen (der jetzt oben liegt) 10 mal mit kurzem Abstand mit der flachen Hand zusammendrücken. Bei einem kleinen Hund übst Du dabei weniger intensiv Druck aus als bei einem großen Hund.

Dann beatmest Du 2 mal wie oben beschrieben und wartest, ob Atmung und Herzschlag wieder einsetzen. Wenn nicht, machst Du weiter im Rhythmus 15mal Herzmassage, danach 2x Beatmung.

Blutungen

Zunächst findest du heraus, von wo die Blutung kommt. Bei starken Blutungen mit einem kontinuierlichen, dunkelroten Fluss an den Extremitäten oder dem oberen Bereich der Gliedmaßen solltest Du die Blutung durch Abbinden (mit einem Gürtel, Schnürsenkeln, T-Shirt) stillen.

Ist der Ursprung der Blutung an einer anderen Stelle, ist das Blut hell und pulsiert, lege einen Druckverband an.

5. Hitzschlag

Beim Hitzschlag handelt es sich um ein Kreislaufversagen durch Überhitzung und immer um einen lebensgefährlichen Notfall. Die Tiere können durch Hecheln keinen Temperaturausgleich mehr leisten und die Körpertemperatur steigt lebensbedrohlich an:

Extrem schnelles hecheln, Herzrasen, Erschöpfung, eventuell Krämpfe oder auch Bewusstseinstrübung oder -losigkeit sind Anzeichen für einen Hitzschlag.

Bringt den Hund umgehend in den Schatten und kühlt ihn dringend und unter allen Umständen mit kaltem Wasser ab, es handelt sich beim Hitzschlag um einen lebensgefährlichen Zustand.  Je schneller abgekühlt wird, desto größer sind die Chancen, zu überleben.

Ist dem Hund einfach nur sehr heiß (ohne lebensbedrohlichen Zustand), kippt ihm auf keinen Fall einfach kaltes Wasser über den Körper, es besteht die Gefahr eines Kälteschocks.

Hitzschlag vermeiden

Hund kühlt sich ab

– Immer ausreichend Wasser mitnehmen, wenn es nach draußen geht

– NIEMALS, auch keine eine Minute den Hund im Auto lassen, auch nicht im Schatten. Wenn ihr alleine unterwegs sein müsst und den Hund nicht alleine lassen könnt, bittet um Unterstützung

– Aktivitäten in die frühen Morgenstunden oder den späten Abend verlegen,  vorzugsweise am/ im Wasser. Joggen, Fahrradfahren oder Ballspielen können auch im Schatten sehr belastend für den Kreislauf sein- lasst es bitte sein! Bei Hunden mit kurzen Nasen oder bekannten Herzproblemen besonders darauf achten!

– Spaziergänge am Besten in den schattigen Wald verlegen. Asphalt, Beton und Kies heizen sich stark auf und strahlen enorm Wärme ab. das belastet den Kreislauf und verbrennt auch schonmal die Pfoten (gerne mal selbst barfuß testen)

– Hunde mit kurzem/ lichtem Fell und viel sichtbarer rosa Haut sollten an diesen Stellen eingecremt werden, um einen Sonnenbrand zu vermeiden

– Mahlzeiten auf mehrere kleine Portionen am Tag aufteilen

– Kühlmatten und Schattenspender helfen, die Temperaturen erträglicher zu machen

 

Ich wünsche Euch allein einen erträglichen, schönen Sommer!

TIERÄRZTLICHER NOTDIENST Rhein-Neckar

Telefonisch erreichbar unter: 0900-122 99 55

Samstag, Sonntag & Feiertag

https://www.tiernotdienst-rhein-neckar.de

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