Training: Besser belohnen

von | 2. April 2020 | Gesundheit, Tipps & Tricks, Training | 0 Kommentare

Nachdem wir jetzt schon jede Menge Beschäftigungstipps vorgestellt haben, werdet Ihr Euch wahrscheinlich erstmal fragen, was dieser Beitrag heute soll. Besser belohnen? Ja meine Güte, soll ich jetzt den guten Trüffelschinken rausrücken oder was?

Das kannst Du natürlich tun, wenn Dein Hund den gerne mag. Mir geht es heute aber um etwas Anderes.

Eine der häufigsten Problemzonen bei Hunden ist nach wie vor der Rücken. Egal, ob der Hund von Natur aus einen sehr langen Rücken hat (wie z.B. bei Dackeln) oder einen im Verhältnis zum Körper recht schweren Kopf (z. B. bei Bullis), oder aber auch erstmal gar kein offensichtliches Problem am Rücken hat, dieser Bereich muss wie bei uns Menschen ganz schön viel aushalten, weil er den gesamten Rumpf trägt.

Bei den Meisten von Euch wird es so sein, dass Euer Hund ein mehr oder weniger ganzes Stück kleiner ist als Ihr selbst. Und gerade in Zeiten, in denen man viel Zeit mit dem Hund verbringt, gibt es im Laufe des Tages sehr viele Situationen, in denen Euer Hund mit Euch mitläuft, um nachzusehen, was Ihr da so macht.

Und was macht Euer Hund dann? Richtig, er muss dabei jedes Mal den Kopf heben.

Insbesondere beim Training oder bei Euren Gymnastikübungen kommt zu dem eigentlich trainierten Körperteil auch noch die Belastung für den Nacken und die Wirbelsäule dazu, denn der Hund hebt in Erwartung seiner Belohnung jedes Mal den Kopf. Das ist generell erstmal nichts Schlimmes oder irgendwie schlecht, aber es lohnt sich auf jeden Fall, das im Hinterkopf zu haben und auch dahingehend zu trainieren.

Insbesondere Kleinhunde haben hier einen deutlichen Nachteil, eben weil der Abstand zwischen der belohnenden Hand, die das Leckerchen hält, und dem Hund sehr groß ist.

Lilly schaut zu Frauchen hoch und wartet auf ihre Belohnung

Für meine Kunden ist es sicher nichts Neues, dass ich während der Übungen mit den Hunden fast ausschließlich auf dem Boden knie oder sitze. So kann ich die Hunde immer so belohnen, dass sie Ihren Kopf möglichst gerade halten können und nicht überstrecken müssen. Je kleiner der Hund, desto größer auch die Wahrscheinlichkeit, dass er in Erwartung seiner Belohnung vor Euch hochhüpft oder sogar Männchen macht. Letzteres ist zwar ein „Klassiker“ neben Sitz und Platz, aber für viele Hunde und deren Wirbelsäule und Hüfte eher nicht zu empfehlen. Denn durch das Anheben der Vorderpfoten entsteht eine Druckbelastung über die gesamte Wirbelsäule nach unten.

Belohnung in „normaler“ Position: Der Kopf wird weit hoch und nach hinten genommen, mit dem rechten Bein muss ausgeglichen werden

 

Wie also besser belohnen?

Es gibt mehrere Möglichkeiten. Beim Spaziergang draußen ist es ja eher umständlich, sich dauernd hinzuknien. Hier könnt Ihr einfach aktiv mehr in die Knie gehen, die Hand dem Hund mehr entgegenstrecken, so dass der Hund seinen Kopf nicht mehr ganz so hoch oder gar in den Nacken werfen muss. Bei sehr kleinen Hunden könnt Ihr auch einfach so umstellen, das Leckerchen auf den Boden fallen zu lassen, damit Euer Hund es von unten aufnehmen kann.

Cowboy steht höher und Frauchens Hand ist nicht weit entfernt

Zuhause könnt Ihr Euch entweder auf ein bequemes Kissen auf den Boden setzen oder Ihr habt die Möglichkeit, das Trainingsareal etwas zu erhöhen, z. B. mit Schaumstoffplatten.

Die Hand kommt dem Hund entgegen und ist weiter unten. Durch die Vorwärtsbewegung wird der Rücken gestreckt.

Es geht mir heute auch gar nicht darum, dass Ihr Eure Belohnung komplett umstellt und alles total kompliziert wird, sondern um das Bewusstsein, wie oft am Tag Euer Hund den Kopf in den Nacken nimmt/ nehmen muss und dass Ihr das in Eurem Alltag einfach ein bischen berücksichtigt und einbaut.

Beim Belohnen in der Hocke ist der Rücken gerade, der Kopf „neutral“ und die Beine ausgeglichen.

Training? Aber ja!

Vor allem betrifft das auch Hunde, die im Hundesport aktiv sind. Das „schöne Fuß“ sieht meistens so aus, dass der Hund dicht links vom Menschen läuft und immer schön nach oben sieht. Hier wird nicht nur der Kopf über einen längeren Zeitraum nach hinten gebogen, sondern auch noch immer auf die gleiche Seite.

Hier solltet ihr unbedingt auch „andersrum“ üben, also den Hund auf Eure rechte Seite nehmen und das „andere Fuß“ üben, damit auch die rechte Seite der Halsmuskulatur trainiert und gestreckt wird.

Eine andere schöne Übung kann sein, wenn Ihr vor Eurem Hund sitzt oder kniet, seinen Kopf mit dem (Hand)target langsam in Richtung der Rippen zu führen. Euer Hund sollte dabei möglichst entspannt sein und darf dabei gerne sitzen oder liegen. Wenn ihr anfangt, ist das oft einfacher, als die Übung im Stehen auszuführen. Ihr werdet schnell merken, welche die Schokoladenseite Eures Hundes ist.

Wichtig

  • Wärmt Euren Hund vor jedem Training auf. Immer.
  • Führt die Übungen wirklich langsam aus. Es ist kontraproduktiv, wenn Ihr wie im Scheibenwischermodus arbeitet und der Hund den Kopf im Sekundentakt von links nach rechts wirft. Ziel ist es, beide Seiten des Halses langsam zu dehnen und zwar nur so weit, wie Euer Hund dazu in der Lage ist. Niemand macht ohne Training einen Spagat, das tut ganz schön weh!
  • Macht kleine Schritte: Zu Beginn reichen zwei bis drei schön langsam ausgeführte Übungen auf jede Seite in dem Bereich, der für Euren Hund machbar ist. Wenn das zuverlässig gut klappt, könnt Ihr eine oder zwei Wiederholungen mehr machen.

Sollte Euer Hund gesundheitlich eingeschränkt sein, während der Übung Schmerzen zeigen oder die Übung meiden, solltet Ihr nicht weitermachen und Euch mit der Physio Eures Vertrauens oder Eurem Tierarzt besprechen. Es kann sich nur um eine kleine muskuläre Blockade handeln, aber auch um eine ernstere Erkrankung, die abgeklärt werden muss.

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