Gesundheit: Arthrose beim Hund | Teil 1

von | 6. April 2020 | Gesundheit, Krankheiten | 0 Kommentare

Spätestens, wenn eine Erkrankung am Bewegungsapparat diagnostiziert wird, aber auch bei fortschreitendem Alter des eigenen Hundes ist man früher oder später mit Arthrose konfrontiert. Sie ist eins der großen Schreckgespenster, die man mit allen Mitteln zu verhindern oder in Schach zu halten versucht und bei vielen meiner Patienten ist diese Erkrankung und deren Behandlung ein Dauerthema.

Es gibt unheimlich viele Aspekte, die man im Zusammenhang mit Arthrose beleuchten kann und wir werden in dieser Reihe versuchen, uns mit den Wichtigsten und Relevantesten zu beschäftigen.

Bei der Arthrose handelt es sich ganz vereinfacht ausgedrückt um Gelenkverschleiß, eine degenerative (funktionsmindernde) und fortschreitende Gelenkerkrankung, die eine Veränderung der Knorpel- und Knochenstruktur im Gelenk mit sich bringt. Fortschreitendes Alter bringt zwar zwangsläufig Verschleiß mit sich, jedoch ist es im Umkehrschluss nicht so, dass genug Schonung (egal, in welchem Alter) dieser Abnutzung irgendwie vorbeugen würde. Ganz im Gegenteil! Bewegung stärkt und nährt den Knorpel, weniger Aktivität fördert eher mehr Einschränkung in der Beweglichkeit.

Ein klein wenig Anatomie

Der Gelenkknorpel 

Ein Gelenk ist ganz simpel erst einmal die bewegliche Verbindung zwischen zwei oder mehr knorpeligen oder knöchernen Elementen, z. B. Oberschenkelknochen und Schienbein am Kniegelenk. Der Knorpel bildet am Ende jedes der beiden Knochen eine glatte und reibungsarme Fläche. Er wird nicht über Blutgefäße versorgt und hat kann sich deswegen auch nur schlecht regenerieren. Einmal zerstörte Teile werden nicht 1:1, sondern nur durch minderwertige Fasern ersetzt.

Die Gelenkflüssigkeit

An der Innenseite der Gelenke findet man eine sehr spezielle Schleimhaut, welche die Synovia, die Gelenkflüssigkeit (eigentlich eher einen zähen Schleim) absondert. Diese „schmiert“ das Gelenk und ist Transportweg für Nährstoffe aus dem Blut in die Knorpelzellen und bringt Abbauprodukte aus dem Knorpel heraus. Um zu wachsen, benötigen Knorpelzellen bestimmte Stoffwechselbedingungen (u. a. Nährstoffe) und auch ausreichend mehanischen Druck, wie er eben durch Bewegung entsteht. Eben aus diesem Grund ist es so wichtig für Arthrosepatienten in guter Bewegung zu bleiben.

Durch eine konstante Überbelastung (z. B. durch Übergewicht), Ernährungsdefizite oder schlichtweg das Altern wird der Knorpel immer weicher und dünner, er verschleißt.  Der Druck auf die beteiligten Knochenstrukturen wird höher. So kommt es zwangsläufig zu Instabilität des Gelenks, Schmerzen und weiterer Bewegungseinschränkung.

Symptome

Beim Hund sind besonders häufig Hüfte, Ellenbögen und Knie betroffen. Die Symptome einer chronischen Arthrose können dabei ganz unterschiedlich sein:

Vom typischen Anlaufschmerz („die ersten Meter ganz schlecht, aber nach ein paar Minuten gehts dann wieder“) über Belastungsschmerz („Am Anfang sieht man gar nix, aber schon nach 10 Minuten läuft sie deutlich schlechter“) bis hin zum Ruheschmerz („Den Spaziergang über merkt man nichts, aber zuhause, wenn er dann liegt, hat er deutlich zu kämpfen“) ist alles möglich. Viele Hundehalter berichten aber auch von Schmerzen, die häufig erst am späten Abend und nachts auftreten oder vor allem bei feucht-kaltem Wetter.

Aktive Arthrose

Von „aktiver“ Arthrose bzw. Arthritis spricht man, wenn sich durch die Problematik im Gelenk eine Entzündung mit Schwellung, Erwärmung und einem Erguss gebildet hat. Dieses akute Geschehen kann je nach Intensität zu einer fast vollständigen Bewegungsunfähigkeit des Gelenks führen.

Stumme Arthrose

Als wäre das nicht schon genug, gibt es auch viele Hunde, die von einer „stummen Arthrose“ betroffen sind. Es können bereits erhebliche Knorpelschäden vorhanden sein, ohne dass deutliche Beschwerden bemerkt werden. Oftmals ist das bei sonst recht fitten Senioren der Fall, deren Schwerfälligkeit und verminderte Beweglichkeit mit „der ist halt alt“ hingenommen werden und erst spät diagnostiziert werden, weil ohne massive Beschwerden in der Regel kein Grund für eine Untersuchung besteht.  

Ursachen

Überlastung

Eine Überbelastung der Gelenke entsteht sehr häufig durch Gelenkfehlstellungen. Am Bekanntesten sind hier sicher die Hüftgelenksdysplasie (HD) oder Ellenbogengelenksdysplasie (ED), zu deren umfänglichen Ursachen es noch einen separaten Beitrag geben wird. Eine ebenso häufige Ursache, die in Kombination mit Gelenkfehlstellungen und anderen Erkrankungen sehr häufig auftritt, ist Übergewicht. Auch hierzu werden wir einen separaten Beitrag verfassen, denn hier geht es um einen Faktor, den wir wirklich sehr gut beeinflussen können, wenn es um eine Verbesserung der Lebensqualität unserer Tiere geht.

Doch auch wiederholte, gleichbleibende und punktuelle Überbelastungen durch verschiedene Hundesportarten können dazu führen, dass bestimmte Strukturen früher Schaden nehmen. Das ist natürlich kein Grund, keinen Sport mehr mit dem Hund zu machen. 

Es ist aber sinnvoll, vor dem Beginn des regelmäßigen Trainings die körperlichen Voraussetzungen ärztlich überprüfen zu lassen und auch begleitend zum Sport über gezielte Maßnahmen nachzudenken, die den Folgen einseitiger Belastung entgegenwirken.

Alter

Fortschreitendes Alter ist auch bei Hunden ein „natürlicher“ Grund für die Degeneration von Knorpelzellen. Je älter unsere Tiere werden, desto wahrscheinlicher werden sie früher oder später auch an Arthrose leiden. Selbstverständlich sollen aber auch alte Tiere, die Beschwerden zeigen, untersucht und mindestens medikamentös und physiotherapeutisch versorgt werden.

Um nochmal den Bogen zurück zum Hundesport zu schlagen soll auch hier nicht unerwähnt bleiben, dass regelmäßige sportliche Aktivitäten immer unter Berücksichtigung des Alters durchgeführt werden sollten. So lange Hunde noch im Wachstum sind, kann eine zu frühe und zu hohe Intensität der Belastung sehr früh zu Schäden führen, die sich vermeiden ließen. Wer in jungen Jahren umsichtig und gezielt dosiert trainiert hat länger was davon!

Ausblick für die nächsten Teile

Diagnosemöglichkeiten, Konventionelle Therapiemöglichkeiten, Nahrungsergänzungen & Fütterung, Bewegung und Physiotherapie

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